Historie von Burg, Stadt und Verein

„Von Osteregulun, Westeregulun und Egeln“

Die fruchtbare Bodeniederung um Egeln war schon frühzeitig von Menschen besiedelt, der Ort selbst wurde im Jahre 941 erstmalig beurkundet.

In dieser Urkunde schenkte König Otto I die Orte Osteregulun, Westeregulun und einen Teil des Hakelwaldes an Siegfried den Sohn des Markgrafen Gero, den Otto I aus der Taufe gehoben hatte.

Siegfried verstarb schon frühzeitig in einem Feldzug gegen die Slaven und Markgraf Gero gründete zur Absicherung seiner Schwiegertochter Hathui das Kloster Gernrode, in dessen Besitz Egeln nun kam.

In der ersten Urkunde, die vom Vorhandensein der Siedlung Osteregulun zeugt, wird auch ein neues Kastell erwähnt.

Dieses Kastell diente dem Schutz der Furt durch den Bodefluß, vor dem die Heerstraßen aus Erfurt, Quedlinburg und Goslar zusammentrafen und zu einer Straße vereinigt nach Magdeburg, der 1. Hauptstadt des römischen Reiches Deutscher Nation, weiterführte.
Vor diesem Kastell siedelten sich Handwerker und Handelsleute an und es entstand eine Marktsiedlung die von vielen Durchreisenden frequentiert wurde. Da das Kastell mit seinen weitläufigen Verteidigungsanlagen, zwischen zwei Bodearmen gelegen, die weitere Entwicklung der Siedlung behinderte, legten die Askanier im 10./ 11. Jh. eine planmäßige Neustadt nordöstlich der Bode mit Markt und Kirche im Schutze einer neuen Burg an. Diese wurde im Jahre 1250 von den Edlen von Hadmersleben erobert, die ihren Hauptsitz auf die Egelner Burg verlegten und sich nun als Herren von Egeln bezeichneten. Sie befestigten den Ort mit einer starken Mauer und verliehen ihm Markt- und Stadtrecht.

 

„Die Wasserburg zu Egeln“

Die von Wasser umflossene Niederungsburg am östlichen Stadtrand von Egeln wurde 1207 erstmalig als Besitz des Kloster Gernrode erwähnt und 1250 von den Edlen von Hadmersleben erobert. Der bekannteste Vertreter des Geschlechtes war Otto von Hadmersleben der mit der Gräfin Jutta von Blankenburg verheiratet und nach dem Chronisten Leuckfeld immer zu einer Fehde bereit war. Er ließ den Ort von einer starken Mauer mit 2 Stadttoren umgeben und verstärkte die Verteidigungsanlagen der Burg.
Im Jahre 1259 gründeten Jutta und Otto von Hadmersleben in “ihrer Stadt Egeln” das Kloster Marienstuhl.
166 Jahre regierten die Herren von Hadmersleben in der Herrschaft Egeln, bis sie 1416 mit dem Grafen Kurt von Egeln im Mannesstamme ausstarben. Da die Grafen von Hadmersleben zu Egeln, 1375 mit den Grafen von Barby- Mühlingen eine Erbverbrüderung abschlossen, kam Egeln nun über die Grafen von Barby-  Mühlingen in die Hände des Magdeburger Domkapitels und wurde als Sommerresidenz und Tafelgut genutzt. Ab 1430 begann eine umfangreiche Phase des Umbaus und der Erweiterung der Burganlage.

Die zum Schloss gehörenden Dörfer, Ländereien und die Stadt Egeln wurden Domkapitularisches Amt und von einem Amtmann der auch die höhere Gerichtsbarkeit ausübte, verwaltet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg mehrfach von Schweden und Kaiserlichen belagert und auch eingenommen. 1631 schenkte der schwedische König Gustav Adolf dem Generalfeldmarschall Johann Banèr für seine Verdienste in der Schlacht von Breitenfels die Ämter Hadmersleben und Egeln, 1632 bezog Banér mit seiner Familie die Burg Egeln. Nach dem Westfälischen Frieden wurde die Burg preußische Domäne und als Pachtgut an verdiente Offiziere vergeben, die auch die Funktion eines königlichen Amtmannes ausübten. Hierbei ist vor allen Dingen die Familie Wilhelm und Friederike Wahnschaffe zu nennen, die in den schwierigen Zeiten der napoleonischen Kriege Inhaber des Amtes Egeln waren. Neben den wechselnden Besatzungen, bei denen zeitweilig bis zu 200 Soldaten einquartiert und beköstigt werden mussten, waren auch solche berühmten Personen wie Königin Luise von Preußen, Graf Bernadotte, Graf Murat und General Blücher mit ihrem Gefolge zu Besuch. Nach 1945 war die Anlage Volkseigenes Gut, das Interesse für den Erhalt der historischen Gebäude jedoch gering, so das eine Periode des zunehmenden Verfalls begann.

 

„Aktion Wasserburg“
Das erste Aufleuchten von Hoffnung für die immer weiter verfallende Burg kam 1987 auf als der Egelner Hans Grube das weitere Zuschütten des Burggrabens mit der „Aktion Wasserburg“ verhindern konnte. 1991 wurden Torhaus und Bergfried restauriert und dem Verfall entzogen (durch Stiftung Denkmalschutz).
Seit 1993 ist dort das Museum für Vor-, Früh- und Stadtgeschichte zu finden. Im Jahre 1995 erwarb Egeln die Burg für eine symbolische Mark und plante die weitere kulturelle Nutzung der Wasserburg.


„Förderverein Wasserburg Egeln e.V.“
Bereits ein Jahr vor dem Kauf der Burg durch Egeln gründete sich unser Verein, der bis heute besteht. Mit 11 Mitgliedern, damals noch relativ überschaubar, ist die Anzahl der Mitglieder heute auf über 40 Personen angestiegen. Der Verein verschrieb sich der Aufgabe sämtliche Einnahmen aus kulturellen Veranstaltungen dem Erhalt der Wasserburg zugute kommen zu lassen und somit die historische Bedeutung der Burg aufrecht zu erhalten und ein kulturelles Zentrum für Egeln und die Umgebung zu schaffen:

„ Zweck des am 9.10.1994 gegründeten Förderverein Wasserburg Egeln e.V. ist die Förderung und Gestaltung der Wasserburg Egeln insbesondere für die Erhaltung der historischen und kulturellen Werte auf dem Gelände der Wasserburg. Der Verein macht es sich zur Aufgabe [die] Wasserburg im Rahmen des Denkmalschutzes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und diese Liegenschaft im Sinne der Stadt Egeln zu fördern. Ausserdem sollen Brauchtum und Tourismus gefördert werden, wobei ein Schwerpunkt bei der Vorbereitung und Mitwirkung am Burg- und Trachtenfest liegt. […]“ (Auszug aus Gründungsurkunde, 1994)

 

Damals wie heute trafen sich die Mitstreiter mehrermals, um in erster Linie Arbeiten an der Burg durchzuführen, Veranstaltungen zu planen und vorzubereiten. Ein kleiner Raum wurde auf der Burg als erster Vereinsraum auserkoren, in dem sich das Vereinsleben abspielte. Erste Veranstaltungen wie das Burg- und Trachtenfest, Osterfeuer und Burgweihnacht wurden mit der Zeit zur Tradition. Teilnahmen am Sachsen-Anhalt-Tag, den Pfänner- und Solebadfesten in Schönebeck, dem Kaiserfrühling in Quedlinburg oder die Fahrt zur Partnerstadt Bzenec/ Tschechien waren auch keine Seltenheit und wurden genutzt, um Kleidungen und Waffen des Mittelalters zu zeigen, Freundschaften zu knüpfen und Egeln mit der Wasserburg als kulturellen Anziehungspunkt bekannt zu machen.
Zu unseren Tätigkeiten auf der Wasserburg zählen unter anderem der Aufbau des Kräutergartens, der Ausbau eines alten Kellergewölbes zur „Ritterklause“, die Freilichtbühne auf der Oberburg oder der Ausbau des Schweinehauses zum heutigen Vereinshaus „Zum müden Ritter“ (kann als bisher größtes Projekt angesehen werden). Viele der Umbauten waren aber erst durch Sponsoren, Unterstützer und der Stadt Egeln möglich. Erst durch den 2003 begonnenen und 2006 fertiggestellten Umbau des Vereinshauses waren wir in der Lage weitere Veranstaltungen wie den irischen Burgabend oder das Kartoffelfeuer auf die Beine zu stellen. Die mühevolle Arbeit der Mitglieder beim Umbau und etliche Arbeitsstunden zahlten sich aber aus, denn die Vereinsräume im mittelalterlichen Flair konnten nun ganzjährig vom Verein für die monatlichen Versammlungen, aber auch für die gastronomische Betreuung verschiedenster Veranstaltungen (dazu zählten z.B. vereinseigene Events, Nabucco – Das Sommer-Open Air, MDR Frühshoppen, Trommelnacht, Geocaching-Event etc.) genutzt werden.
Jüngere Interessenten, die sich für das Hobby des Mittelalters, der Pflege einer historischen Burg, gemeinsamen Abenden und das Durchführen von Veranstaltungen interessieren, sind bei uns immer gern gesehen. Nach all den Jahren geht das Auf-und Abbauen vor und nach den Veranstaltungen und das Vorbereiten dieser auch an den ältesten Vereinsmitstreitern nicht spurlos vorbei. Und dennoch denkt noch niemand in unseren Reihen an das Aufhören!
Im Oktober 2015 war zum Beispiel ein mittelalterliches Lager, wie es damals ausgesehen haben könnte, zum Mittelalterfest auf der Wasserburg (externer Veranstalter) geplant. Vereinsmitglieder präsentierten die Waffen der Ritter, Rüstungsteile, Kettenhemd, Sarwürken, lebten ein Wochenende auf der Burg in Zelten und kochten ihr Essen über offenem Feuer wie unsere Vorfahren.
Wenn man heutzutage auf die Burg kommt, ist vom ehemaligen Verfall nur noch sehr wenig zu sehen. Vieles wurde mit der Stadt Egeln, Sponsoren, Unterstützern und ABM-Kräften geschafft.
Es sollte aber nicht vergessen werden, dass alle Mitglieder des Fördervereins Wasserburg Egeln e.V. bei jedem Einsatz ehrenamtlich alles in ihrer Freizeit für den Erhalt der historischen Gemäuer geben. Auf der Oberburg entstanden bisher eine Freilichtbühne, das Kreativzentrum des Fördervereins, eine Malschule, ein Kellertheater und das Burg- Puppen- Theater. Im Museumsfoyer, im Torhaus der Oberburg, ist seit 1998 ein Eheschließungszimmer eingerichtet, die anschließende Hochzeitsfeier kann im Kellergewölbe der Burg ausgerichtet werden

Ohne Hans Grube, den 11 Gründungsmitgliedern und natürlich allen Besuchern unserer Veranstaltungen seit 1994, die uns und die Burg mit jedem Pfennig & Cent unterstützten, würde die Burg heute sicherlich nicht so dastehen, wie wir sie alle kennen. Wir hoffen weiterhin auf eine erfolgreiche Zukunft und eine lebendige Wasserburg.

Förderverein Wasserburg Egeln e.V.

 

(Kein Anspruch auf Vollständigkeit & nicht alles konnte erwähnt werden,
Quellen: Wikipedia: „Wasserburg Egeln“
Hengstmann, Kristina: Historische Spektakel und Burgweihnacht gehören genauso zum Vereinsleben wie Sanierungsarbeiten. Volkstimme, 26.10.2004)